Mieten in Esporles: 98 Prozent des Einkommens für eine Wohnung erforderlich
In Esporles auf Mallorca müssen Mieter fast ihr gesamtes Einkommen für eine Wohnung aufwenden. Eine 80 Quadratmeter große Wohnung beansprucht rechnerisch 98 Prozent des durchschnittlichen Nettoeinkommens einer Person. Diese Erkenntnisse stammen aus einer Studie von Sonia Vives, einer Expertin für den Wohnungsmarkt an der Universität der Balearen (UIB). Die Studie verdeutlicht, wie herausfordernd es für Einheimische geworden ist, in diesem mallorquinischen Dorf zu leben.
Auch die Preise für den Immobilienkauf sind in den letzten Jahren stark angestiegen. Während der Durchschnittspreis einer Immobilie in Esporles im Jahr 2010 bei 313.186 Euro lag, beträgt dieser im Jahr 2025 bereits 659.195 Euro. Somit hat sich der Preis innerhalb von 15 Jahren mehr als verdoppelt.
Eigentumsverhältnisse und Herausforderungen für Familien
Die Untersuchung beleuchtet auch die Eigentumsverhältnisse. 46 Prozent der Käufer stammen aus dem Ausland, während 11 Prozent Unternehmen sind. Ein Viertel der Immobilien gehört Personen, die mehrere Objekte besitzen. Zudem werden 28 Prozent der Wohnungen nicht als Hauptwohnsitz genutzt, drei Prozent sind touristisch vermietet. 11 Prozent der Immobilien stehen leer.
Für Familien ist der Erwerb einer eigenen Wohnung kaum erschwinglicher: Sie müssten das 17-Fache ihres durchschnittlichen jährlichen Nettoeinkommens aufbringen, um in Esporles eine Immobilie zu erwerben.
Bürgermeister schlägt Alarm
Der Bürgermeister Josep Ferrà zeigt sich über diese Entwicklung äußerst besorgt. Besonders alarmierend ist, dass selbst Menschen mit einem Job und ausreichenden Mitteln kaum noch Chancen haben, in ihrer Heimatgemeinde zu bleiben. Junge Menschen, die selbstständig werden möchten, sowie Familien auf der Suche nach einer neuen Mietwohnung spüren die Auswirkungen besonders stark.
Die Gemeinde hat daher gefordert, Esporles offiziell als “Gebiet mit angespanntem Wohnungsmarkt” zu klassifizieren. Der Gemeinderat hat eine entsprechende Selbsteinstufung beschlossen und die Regionalregierung der Balearen aufgefordert, diese zu akzeptieren. Bisher lehnt die Regionalregierung die Anwendung dieses Instruments ab. Für Ferrà sprechen jedoch die Zahlen eine deutliche Sprache: Esporles erfüllt die Kriterien für eine solche Einstufung.
Gleichzeitig bemüht sich die Gemeinde, mehr bezahlbaren Wohnraum zu schaffen. Geplant sind 18 Wohnungen des balearischen Wohnungsinstituts IBAVI. Angesichts der Größe des Problems sei dies jedoch lediglich ein erster Schritt. Die Dringlichkeit der Wohnraumsituation wird durch das kommunale Register für Wohnraumsuchende deutlich, wo mittlerweile 110 Anträge eingegangen sind, hinter denen insgesamt 258 Personen stehen.