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180 Jahre österreichisch-chilenische Beziehungen

Viel mehr als Mozart und Sachertorte

Österreich und Chile sind durch eine Distanz von etwa 12.000 Kilometern voneinander getrennt. Trotz dieser räumlichen Trennung bestehen zwischen den beiden Ländern bemerkenswerte Verbindungen, die bis ins 19. Jahrhundert zurückreichen. Diese Beziehungen haben sich über fast zwei Jahrhunderte hinweg durch Handel und Migration entwickelt und sind auch in den Bereichen Kultur, Wissenschaft und zunehmend Technologie gewachsen.

Der erste offizielle Kontakt zwischen den beiden Ländern fand in den Jahren 1846/47 statt. In einem Austausch zwischen dem chilenischen Präsidenten Manuel Bulnes und Kaiser Ferdinand I. erkannte die Habsburg-Monarchie Chile als ersten Staat unter den ehemaligen spanischen Kolonien in Südamerika an. Zu Beginn war das österreichische Interesse vor allem wirtschaftlicher Natur, wobei insbesondere Händler aus Triest Handelsbeziehungen zu Chile aufbauten. Bereits 1847 wurden mehrere österreichische Honorarkonsulate gegründet, wobei das wichtigste in Valparaíso war. 1870 folgte ein Freundschafts-, Handels- und Schifffahrtsvertrag.

Von Tirol nach Santiago

Die ersten Österreicher kamen 1856 nach Chile. Es handelte sich um Zillertaler, die aus religiösen Gründen Tirol verlassen hatten. Sie nahmen das chilenische Einwanderungsangebot an und ließen sich vornehmlich am Llanquihue-See nieder. Bis heute erinnern Ortsnamen und Familiengeschichten an diese ersten Siedler. Besonders bekannt ist Nueva Braunau bei Puerto Varas, das 1875 von österreichischen Einwanderern aus dem damaligen Braunau in Nordböhmen benannt wurde. Einige Nachfahren dieser ersten Siedler leben noch immer auf dem Land, das ihren Vorfahren zugewiesen wurde. Im Laufe des 20. Jahrhunderts dürften sich insgesamt etwa 4.000 bis 5.000 Österreicher in Chile niedergelassen haben.

Eine neue Heimat für Verfolgte

Besonders prägend wurde die Verbindung ab 1938, als viele Österreicher nach dem Anschluss an das nationalsozialistische Deutschland ihre Heimat verlassen mussten. Für einige von ihnen wurde Chile zum Zufluchtsort. In Santiago gründeten österreichische Emigranten 1940 die Organisation „Austria Libre“. Diese hatte bald rund 200 Mitglieder und kümmerte sich nicht nur um die sozialen und kulturellen Belange der Emigranten, sondern setzte sich auch dafür ein, dass diese trotz der Auflösung des österreichischen Staates weiterhin als Österreicher anerkannt wurden. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die diplomatischen Beziehungen wiederhergestellt. 1948 kam der erste österreichische diplomatische Vertreter nach Santiago, und 1952 wurden die Vertretungen zu Botschaften aufgewertet. 1961 wurde schließlich der Verein der Österreicher in Chile gegründet, der bis heute aktiv ist.

Innovation als Brücke

Aktuell sind österreichische Unternehmen in verschiedenen Sektoren der chilenischen Wirtschaft tätig. Laut dem österreichischen Außenministerium sind rund 500 Firmen auf dem chilenischen Markt aktiv, von denen mehr als 50 eigene Niederlassungen haben. Einige dieser Unternehmen sind auch im Alltag der Chilenen präsent. So ist österreichische Technologie in Chile sogar auf den Autobahnen zu finden: Das Wiener Unternehmen Kapsch TrafficCom erhielt bereits 2007 den Auftrag zur Errichtung eines vollelektronischen Mautsystems für die wichtigsten Verkehrsverbindungen rund um Santiago. Das Projekt umfasste Entwicklung, Montage, Inbetriebnahme sowie Wartung und Betreuung. Das Unternehmen ist bis heute mit Maut- und Verkehrslösungen in Chile aktiv. Ein weiteres Beispiel ist die österreichische Firma Doppelmayr, die das technische System für die neue Seilbahn Teleférico Bicentenario liefert, die Providencia, Las Condes, Vitacura und Huechuraba verbindet. Auch die neue Seilbahn Teleférico Pío Nono am Cerro San Cristóbal basiert auf österreichischer Doppelmayr-Technologie und wurde 2026 eröffnet; sie verfügt über 24 Kabinen. In diesem Bereich hat die Alpenrepublik eine lange Tradition – 2026 wird das 100-jährige Bestehen der Rax-Seilbahn gefeiert, die eine der ersten touristischen Seilbahnen des Landes war.

Musik und Wissenschaft

Die österreichische Präsenz im kulturellen Bereich ist besonders lebendig. Klassische Musik, Ausstellungen und andere kulturelle Veranstaltungen ziehen regelmäßig österreichische Künstler nach Chile. Darüber hinaus gibt es wissenschaftliche Kooperationen und Partnerschaften zwischen Universitäten. Es bestehen unter anderem Verbindungen zwischen chilenischen Hochschulen und Universitäten in Wien, Linz und Graz.

Die anfänglichen Handelskontakte der Habsburgermonarchie entwickelten sich zu einer Einwanderungsgeschichte und führten schließlich zu einer modernen Partnerschaft in Wirtschaft, Wissenschaft und Kultur. Während die Distanz zwischen Wien und Santiago weiterhin groß bleibt, ist die Verbindung zwischen den beiden Ländern in den letzten 180 Jahren immer enger geworden.

2026 – Österreich feiert

Wolfgang Amadeus Mozart wurde am 27. Januar 1756 in Salzburg geboren. Salzburg und Wien widmen dem Komponisten zahlreiche Veranstaltungen.

260 Jahre Wiener Prater

1766 öffnete Kaiser Joseph II. den zuvor kaiserlichen Jagdgrund für die Bevölkerung. Aus dem einstigen Jagdgebiet entstand einer der berühmtesten Vergnügungsparks Europas.

250 Jahre Burgtheater

1776 erhob Kaiser Joseph II. das bereits bestehende Burgtheater zum „Teutschen Nationaltheater“. Das heutige Burgtheater zählt zu den bedeutendsten deutschsprachigen Bühnen.

Die berühmte Wiener Kunstsammlung geht auf das Jahr 1776 zurück.

250 Jahre Stiftsbibliothek Admont

Der spektakuläre barocke Bibliothekssaal des Benediktinerstifts Admont wurde 1776 vollendet und gilt heute als eine der schönsten historischen Bibliotheken der Welt.