Rhythmus begeistert beim zweiten Abokonzert der Sinfoniker im Auditorium
(Zur Vorlesefunktion klicken Sie bitte HIER.) – Rhythmus, Rhythmus, Rhythmus! Dieses Motto prägte das zweite Abonnementkonzert der Sinfoniker, das gestern Abend im Auditorium stattfand. Dies spiegelte sich nicht nur in den ausgewählten Werken von Rodrigo, Ravel und Albéniz wider, auch die eingeladenen Künstler bewiesen ihr Können in der mitreißenden rhythmischen Gestaltung. Die italienische Dirigentin Gianna Fratta bleibt vielen Konzertbesuchern in Erinnerung: Sie sorgte 2023 im Trui Teatre zusammen mit der spanischen Pianistin Alba Ventura für eine rhythmische Ekstase mit einer nahezu orgiastischen Aufführung des dritten Klavierkonzerts von Prokofiew. (Meine Kritik können Sie unter diesem Link noch einmal aufrufen.) Der Konzertgitarrist José Maria Gallardo ist nicht nur auf seinem Instrument ein virtuoser Rhythmiker; er komponiert auch Werke voller Drive.
Der Beginn des Abends brachte Altbekanntes: Das trotz seiner häufigen Aufführungen in Wunschkonzerten offenbar unverwüstliche „Concierto de Aranjuez“ von Joaquin Rodrigo sorgte auch gestern wieder für gute Stimmung. Dies ist vor allem Gallardos engagierter Darbietung zu verdanken. Er zählt zu den herausragenden spanischen Gitarrenvirtuosen unserer Zeit. Der in Sevilla gefeierte Musiker vereint klassische Tradition und Flamenco auf unverwechselbare Weise. Als Solist trat er weltweit mit führenden Orchestern auf und arbeitete mit Künstlern wie Plácido Domingo und Paco de Lucía zusammen. Zudem ist er ein international geschätzter Komponist und Pädagoge.
Nach der Pflicht folgte die Kür: Als mallorquinische Erstaufführung erklangen die dreisätzigen „Diamantes para Aranjuez“, die als Hommage an Rodrigos Konzert zu dessen 75-jährigem Jubiläum entstanden sind. „Es ist mir eine Ehre, zwischen Größen wie Rodrigo, Ravel und Albéniz aufs Programm gesetzt zu werden“, erklärte er bei der Ankündigung seines Werkes. Die Orchestrierung übertrifft sogar sein Vorbild in Farbigkeit und melodischem Reichtum. Viele Zuhörer dürften zum ersten Mal eine Cajón aus der Nähe gesehen haben. Die Cajón ist ein kastenförmiges Perkussionsinstrument, auf dem der Spieler sitzt und die dünne Frontplatte mit den Händen anschlägt. Ursprünglich aus Peru stammend, ist sie heute besonders im Flamenco, in der Weltmusik, im Jazz und auch in Crossover-Projekten mit klassischen Orchestern beliebt.
Nach der Pause übernahm die Dirigentin die Bühne. Gianna Fratta gehört zu den international gefragtesten italienischen Dirigentinnen der Gegenwart. Nach Studien in Klavier, Komposition sowie Chor- und Orchesterdirigieren führte sie ihre Karriere an zahlreiche renommierte Opern- und Konzerthäuser in Europa, Asien und Südamerika. Neben ihrer herausragenden Arbeit im sinfonischen Repertoire gilt ihre besondere Leidenschaft der Oper. Für ihre künstlerischen Verdienste wurde sie zur Ritterin der Italienischen Republik ernannt.
Die Klangpracht, die sie in Ravels „Alborada del gracioso“ dem Orchester entlockte, wurde zu Recht enthusiastisch gefeiert. Dass es gleichzeitig ein rhythmisches Feuerwerk wurde, bedurfte eigentlich keiner gesonderten Erwähnung. Mit der „Suite espanyola opus 47“ von Isaac Albéniz kamen neue Klangfarben und der für Albéniz charakteristische melodische Einfallsreichtum hinzu. Besonders „Sevilla“ begeisterte das Publikum. Fratta hatte das Orchester fest im Griff und fesselte die Zuhörer zudem durch ihre charmante Ausstrahlung. Das nächste Konzert findet am 3. Dezember statt. Guillermo Garcia Calvo wird dann unter anderem Werke von Gershwin und Prokofiew dirigieren. Karten sind auf der Website des Auditoriums erhältlich.