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Korsika: Langusten- und Quallen-Dramen in Centuri-Port

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Im dritten Teil des Korsika-Tagebuchs geht es von Macinaggio über Roglianu und Barcaggio nach Centuri-Port, wo unser Autor seine persönlichen Kämpfe mit Langustinen und Quallen durchleben muss bevor er an einem schwarzen Traumstrand kurz vor Nonza Abendrot und korsischen Wein genießen darf.

Nach einem Frühstück im Hafen von Macinaghju geht es bald in Richtung Rogliano/Ruglianu. Wir nehmen den „Weg der Kaiserin“ (chemin de l’imperatrice), die D53, die Kaiserin Eugénie 1869 genommen hat, und finden bald nach dem Osteingang eine Quelle. Endlich Wasser nachfüllen und das Salz mit purem Quellwasser aus den Haaren spülen – das erfrischt! Zwischen Roglinao und der R80 entdecken wir einen tollen Platz für eine Übernachtung im Camper mit traumhaftem Ausblick – leider nichts mehr für diese Saison.

Brunnen bei RoglianoWir stoßen auf die R80 und nehmen bald darauf die D253 nach Barcaggio / U Barcaghju, einem kleinen Hafenstädtchen. Leider scheint es außerhalb der Saison kaum bewohnt. Hier könnte es richtig nett sein, wenn die Häuser statt tristem Grau in gelb/roten-Stil gestrichen wären, der uns auf unserer Fahrt so oft begegnet. Das Standcafé ist jedenfalls gut besucht. Wir betrachten die Quallen und Fische im Hafenwasser und die vielen, malerisch arrangierten Fischernetze.
Über die D153 geht es wieder zurück zur R80 und hoch zur Moulin Mattei. Viele Menschen steigen dort hoch, wir sparen es uns. Allerdings könnte auch dies ein schöner Platz zum Übernachten sein: Sonnenunter- und aufgang inklusive Meeresblick.

Runter von der R80 nach Centuri Port/Cinturi Portu, einem wirklich besuchenswerten Hafenstädtchen. Der Baedeker empfiehlt die Langusten in „Le Langoustier“. Die Preise sind dementsprechend. Stattdessen kehren wir auf der gegenüberliegenden Seite des Hafens im Cavallu di Mare ein, das laut Aushang schon seit Jahren für Traveller im „Le Rochard“ empfohlen wurde. Für 15,50 Euro lockt mich ein Menü mit einem Meeresfrüchtesalat, Langustinen mit Spaghetti (kein Scherz!) sowie Nachtisch.

Wir setzen uns und plötzlich steht eine Göttin vor mir: Ein Blick aus kajalumrandeten Katzenaugen, die des Nachts vermutlich als Leuchtfeuer dienen, verschlägt mir die Bestellung. Glücklicherweise löst sich die Maulsperre umgehend als mir klar wird, dass der Zickenfaktor der schwarzhaarigen Korsin bei etwa 10 auf der nach oben offenen Zickenskala liegen dürfte.
Der Salat mit Garnelen, Krebsen und Tintenfisch mundet. Dann das Hauptgericht. Schon beim Ansehen ahne ich die sich anbahnende Katastrophe. Muss ich ausgerechnet jetzt ein weißes T-Shirt tragen? Natürlich gibt es keinen Löffel zu den Spaghetti, natürlich ist „Sauce americain“ nichts anderes als Tomatenpampe und natürlich sind statt der Spaghetti die Langustinen besonders dick mit Sauce überdeckt sowie komplett mit Rüstung.

Langustinen mit Spaghetti

Bereits das Knacken des Kopfes lässt dicke Spritzer durch die Gegend fliegen. Das Killergericht für Anstandslegastheniker wie mich. Zumal es nicht wirklich lohnt, da die von ihrer Schale befreiten Langustinen nur noch wenig hergeben. Absolut empfehlenswert dagegen die Tarte de Chocolat. Wollte ich von dieser Reise nicht ein klein wenig schlanker zurückkehren? Egal, diese Sünde ist es wert.

Ich verspeise das Tortenstück voller Genuss, während meine Begleiterin frustriert in ihrem Grande Creme rührt. Die Milch darin flockt aus, ist hinüber. Madame reklamiert beim nächsten Besuch von Katzenauge. Diese reißt ihr wortlos den Kaffee aus der Hand und verschwindet. Wir warten vergeblich auf eine Ersatzlieferung. Stattdessen von drinnen der Gestank nach starken Putzmitteln. Dann knallt sie uns und dem letzten verbliebenen Paar die Rechnung hin. Immerhin, der Kaffee steht nicht darauf, auch nicht der eisgekühlte Rosé, den es als Entree gab.

Interdit aux Camping-Cars

Direkt am Ortsausgang Richtung Morsiglia/Mursigliu auf der D35 ist ein Parkplatz hinter einer kleinen Bucht, die sehr einladend aussieht. Ich fühle, die Chefin will durchfahren, bald ist 18 Uhr, heute wird nicht mehr gebadet. Doch ein paar hundert Meter weiter entdeckt sie einen grünen Brückenstein, der laut schreit „Knips mich, knips mich.“ Ich nutze die Gunst der Stunde, reiße mir die Kleider vom Leib, springt in die Badehose und stürze in die Fluten.

Besser gesagt: Ich versuche das Stürzen eher zu verhindern. Viele Steine auf denen meine Adventure-Schlappen eher glitschen. Egal, Meer ist Meer. Raus schwimmen und dann Kopfsprung von einem Felsen. Ein paar Schwimmzüge und ein brutales Brennen durchzuckt mich an der rechten Brust. Eine Qualle. Oh Gott, die Seewespe hat sich hierhin ausgebreitet. Ich sterbe. Der Schmerz breitet sich aus. Ja, meine rechte Schulter wird lahm, mein Herz, ich kann nicht mehr schwimmen. Panik.

Qualle in Cap Corse

Mein Leben zieht an mir vorbei. Hilfe, ich habe meinen Eltern noch keine Ansichtskarte geschrieben. Ich darf noch nicht sterben! Mutter würde es mir nie verzeihen. Also beschließe ich, dass es eine ganz normale dämliche Qualle war und arbeite mich an Land. Meine Begleiterin reicht mir sofort ein homöopathisches Kügelchen aus ihrer Reiseapotheke und ich lege mir eine Hand auf die rechte Brust – die Schmerzen wandeln sich schnell in etwas dumpfes und verschwinden. Nur der rote Fleck wird Wochen bleiben.

Bei Morsiglia mündet die D35 auf die N80 und runter geht es entlang der Küste. Etwa hinter Capu Corvoli entdecke ich eine Bucht, die mir sehr geeignet zum Übernachten scheint, zumal wir mit dem Bus unter der Caravansperre durchpassen. Aber die Chefin weist mich auf zwei Nachteile hin – zu nah an der Rue Nationale, kein Schatten – und fährt weiter.

Bauwerk vor Nonza

Ein richtig vielversprechender Kandidat für einen Besuch ist Marina d’Albu: nette Restaurants, schwarzer Strand und ein genovesischer Turm. Bald darauf, etwa einen Kilometer vor Nonza, ein perfekter Schlafplatz: Ein asphaltierter Weg führt direkt an einem Strommast ohne weitere Kennzeichnung herunter zum Meer, vorbei an einem einsamen Tennisfeld. Mit einer guten Handbreit Luft passen wir in unserem 2,08m hohen Bus unter der Wohnmobilsperre durch – sonst wäre uns nur eine höher gelegene Terrasse als Alternative geblieben.

Abendrot bei Nonza

Unten ein älteres Paar aus dem Departement 53 und ein Angler, der gleich sechs Angeln im Meer hat. Links sehen wir den schwarzen Strand von Nonza, während wir beim Abendbrot das Abendrot genießen. Es wird dunkel, meine Begleiterin will Schwänke aus meiner Jugend hören. Wir trinken korsischen Roten, während Freunde des Fischers vor der Küste tauchen und mit Scheinwerfern die nächtliche Unterwasserlandschaft erkunden.

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Autor: Frank

Webdesigner und Publizist. Freier Mitarbeiter bei Magazinen im Bereich Gesundheit/Spiritutalität (Reiki-Magazin, Connection, DAO) und Musik sowie Autor/Herausgeber von Fach-Anthologien beim Windpferd Verlag. Fachjournalist (bdfj). Mag am liebsten aktiven Natururlaub in Europa sowie Reisen nach Südostasien. Ganz besonders wichtig: Wasser!

2 Kommentare

  1. Lieber Autor:
    Spaghetti isst man nicht mit dem Löffel. Den braucht man normalerweise nicht. Lieber Autor, jeder Italiener wird Dir nen Vogel zeigen, wenn Du nach nem Löffel für die Spagetti verlangst. Das ist typsch deutsch, meckern als Volkssport, und schon mit dem Meckern anfangen, wenns nicht wie daheim ist.

  2. Schade, der Tenor, um den es in Teilen des Artikels wie auch der gesamten Korsika-Serie geht, ist nicht meckern, sondern vor allem ein „mich selbst auf die Schippe nehmen“. Ansonsten steh ich dazu: Ich bin ein Löffel-Fetischist, egal waswiewo üblich ist (auch zuhause nicht immer *g*).
    Aber schon lustig, wenn jemand meckert, weil er glaubt, dass jemand meckert 😉

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