Reisepfade.com Reiseberichte und Reisetipps von Globetrottern
Check-In Counter bei der Fähre in Cebu

Philippinen: Mit der Fähre von Cebu nach Siquijor

| Keine Kommentare

Gegen neun Uhr werden wir wach und fühlen uns trotz der langen Reise erstaunlich gut. Beim Frühstück kommt erstmals Urlaubsstimmung auf. Kein Wunder, sitzen wir doch mit Blick auf den Pool, dazu blauer Himmel, angenehme Wärme und ab und an eine erfrischende Brise. Ältere Kellner und junge Damen umschwirren uns, bis wir ihnen mit allem Nötigen versorgt scheinen: Grüner Tee, Orangensaft, gebackene Fischfiles, gebratene Nudeln und manches mehr.

Auf dem Zimmer ein weiterer Mail-Check im Netz, dann packen und auschecken. Wie geht es nun weiter?

Gestern abend kam ein Anruf aufs Zimmer, dass uns um 12.30 Uhr ein Taxi abholen und zur Fähre bringen würde. Doch von wem kam dieser Anruf? Vom Hotel? Von unserem Ziel, dem Coco Grove Beach Ressort? Oder einem Mitarbeiter unserer Reiseagentur vor Ort? Ich hatte vergessen zu fragen und im Hotel weiß man nichts davon. Ob man uns ein Taxi bestellen soll? Nein. Lockermachen, wird alles gut gehen.

Kaum sitzen wir, erscheint ein Mitarbeiter der Reiseagentur. Er gibt uns die Tickets für die Fähre und fragt uns, ob wir bereit zur Weiterreise wären. Kurz darauf ist das Taxi da, Hotelmitarbeiter verladen unsere schweren Koffer und los geht’s. Die Strecke ist anders als gestern, die Umgebung nicht mehr so extrem abgerockt. Nach ca. einer dreiviertel Stunde Fahrt landen wir am Hafen. 20 Pesos für die Durchfahrt, dann noch eine Weile bis zur richtigen Anlegestelle.

Ein Mann stürzt gleich auf unsere Koffer und bringt uns zum Eingang unserer Fähre. Er wartet auf Trinkgeld, mit 20 Pesos zieht er ab. Ich frage mich ständig, was angemessen ist, brauche noch, bis ich ein Gefühl für das Geld bekomme. 50 Pesos gleich ein Euro lautet meine vereinfachte Umrechnungsformel, um schnell zu checken, was etwas kostet. Beim Check-in an der Fähre beispielsweise sind knapp fünf Euro fällig wegen des Gewichtes unserer Koffer.

Check-In Counter bei der Fähre in Cebu

Check-In Counter bei der Fähre in Cebu

Zwei Stunden warten wir vor dem Check-in. Die Zeit vergeht gut mit Lesen. Dann noch eine Stunde im eigentlichen Wartebereich dahinter. Viele Filipinos um uns herum, oft Paare oder Familien, wenig Touristen. Vorn drei Flachbildschirme. Rechts und links das übliche Medienzeug, wie man es aus deutschen U-Bahn-Stationen kennt: Werbespots und Wissenswertes als bunter Mix. Frau Marcos steht im Guiness-Buch der Rekorde mit der weltweit größten Schuhsammlung, das ist das Infotainment-Überbleibsel einer Diktatur.

Der größte Bildschirm in der Mitte zeigt einen Fernsehkanal. Es läuft die ganze Zeit eine Art Castingshow mit vielen hübschen Mädels, die singen und tanzen. Verlierer scheint es keine zu geben. Die Frauen hier auf den Philippinen sehen wirklich klasse aus: Wirkt auf mich wie ein südostasiatischer Typ mit Latina-Einfluss, eine umwerfende Mixtur. Und im Gegensatz zu den oft dünnen Damen in unseren Medien haben die Mädels im Fernsehen eine deutlich weiblichere Figur.

Dann ruft die Fähre. Mein erstes Mal mit so einem Ding. Die Plätze sind an Hand der Karten genau festgelegt, wir landen auf der unteren Etage ziemlich in der Mitte. Vor uns wieder ein großer Flachbildschirm, auf dem nach der Abfahrt erst ein Mal ein Video zum Thema Schwimmwesten samt Imageclip über die Philippinen startet. Direkt gefolgt von einem Gebet an Gott, das mit der Bitte endet, seinen Segen über die Fähre samt Passagieren und Mitarbeiter zu halten. Ööööhm, ich erinnere mich an die bekannt hohe Zahl von Fähren auf den Philippinen, die immer wieder untergehen – aber wir haben jetzt keine Taifun-Saison, also das Gebet einfach sportlich nehmen und mitbitten.

Videoprogramm auf der Fähre

Videoprogramm auf der Fähre dank BitTorrent

Dann erscheint wieder die Dateiliste des Videoplayers und ich kann nur mit Mühe und Not einen lauten Heiterkeitsausbruch verhindern: Mr-Poppers-Penguins-Xvid-DVDRip-by-TorrentHackers.avi – in diesem Stil sind etwa acht Filme versammelt von denen wir im Laufe der fünfstündigen Fahrt drei sehen werden. Die Arme der allmächtigen Verwertungsrechtsmafia, die uns EU-Bürger aufgrund ihrer eigenen Vertriebsfehler mit ACTA komplett kriminalisieren möchte, scheinen hier auf den Philippinen nicht so stark wie in Deutschland.

Wie legen zwei Zwischenstopps ein. Beim ersten Mal verlassen viele Filippinos die Fähre, unter den Neueinsteigern sind viele junge Leute. Ich komme mir vor wie in einem Schulbus auf dem Wasser. Ich erkunde die Fähre soweit möglich, oben ist es richtig angenehm. Während auf der unteren Ebene das Video läuft und die Klimaanlage mich zum frieren bringt, ist oben eine angenehme Brise und bis auf den Schiffsdiesel herrscht Stille. Die Toiletten sind nach deutschen Standards eher abschreckend, aber bei einer fünfstündigen Fahrt kaum vermeidbar. Immerhin gibt es Getränke und Snacks zu kaufen, letztere stillen zumindest den schlimmsten Hunger. Wir gucken Reise zum Mittelpunkt der Erde und mampfen Chips 🙂

Rettungsring auf der Fähre

Rettungsring auf der Fähre – so ganz vertrauenswürdig wirkt das nicht

Der zweite Stopp ist in Dumaguette, die Fähre wird immer leerer, einige Touristen kommen an Bord. Ein Drittel davon besteht aus einem westlichen Mann und einer philippinischen Frau. Die schrillen Stimmen von Alvin und den Chipmunks sägen an unseren Gehörgängen, wir frieren, also ziehen wir nach oben um – um die gebuchten Plätze kümmert sich längst keiner mehr. Die Fähre kommt gut voran, so dass wir deutlich schneller als nach der veranschlagten Stunde in Siquijor anladen.

Aussteigen, Koffer in Empfang nehmen und raus aus dem Fährhafen. Draussen warten bereits zwei Menschen auf uns: Eine Filippina und ein Fahrer. Sie halten ein schönes handgemaltes Schild hoch, auf dem unsere Namen stehen – nur leider können wir es in der Dunkelheit nicht lesen. Aber wir finden uns trotzdem, sind ja höchstens 20 Leute, darunter drei oder vier Touristenpaare, die hier aussteigen. Wir gehen zum Bus. Auf der Heckklappe sehen wir eine verdammt große Spinne sitzen, die sofort um die Ecke krabbelt. Was ein Apparat, die könnte locker meine komplette Hand bedecken. Mit der Sorte möchte ich ungern weitere Begegnungen – vor allem nähere – erleben.

Koffer einladen und los. Wir fahren ca. zwanzig Minuten durch Siquijor Stadt und den angrenzenden Dschungel. Immer wieder einfache Hütten am Straßenrand, aber auch Häuser nach gehobenem westlichen Standard. Ob wir noch ein Dinner wollen? Aber klar, wir haben seit dem Frühstück außer ein paar Chips nichts mehr gehabt. Die nette Dame sagt per Telefon Bescheid. Dann, etwa sieben Stunden nachdem wir das Montebello Hotel verlassen haben, betreten wir das Coco Grove Beach Ressort. Ab jetzt geht der Urlaub richtig los…

Philippinen: Mit der Fähre von Cebu nach Siquijor: 1 Star2 Stars3 Stars4 Stars5 Stars
5,00 von 5 Punkten, basieren auf 1 abgegebenen Stimmen.
Loading...

Autor: Frank

Webdesigner und Publizist. Freier Mitarbeiter bei Magazinen im Bereich Gesundheit/Spiritutalität (Reiki-Magazin, Connection, DAO) und Musik sowie Autor/Herausgeber von Fach-Anthologien beim Windpferd Verlag. Fachjournalist (bdfj). Mag am liebsten aktiven Natururlaub in Europa sowie Reisen nach Südostasien. Ganz besonders wichtig: Wasser!

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.