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Korsika: Von Nonza über Patrimonio nach L’Ile de Rousse

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Im vierten Teil werden der wundervolle Strand und die Bauten von Nonza gewürdigt, bevor es zu einem besonderen Menhir und Weinkauf nach Patrimonio geht. Nach einem Malheur und Abendessen in San Florent führt der Weg nach I’Ile de Rousse, wo unser Autor ein trauriges Franzosen-Schicksal erleben muss.

Wieder ein Frühstück am Meer – das könnte glatt zur Gewohnheit werden. Ein Kormoran stürzt ins Wasser. Wildes Schlagen. Ein Kampf tobt unter der Oberfläche, zieht sich über ein paar Meter, dann Stille. Nichts passiert. Kein Kormoran kommt zurück. Gestern Quallen, heute Phalacrocorax carbo Killer. Soll ich mich wirklich wieder ins Wasser wagen?

NonzaWir legen uns an den schwarzen Kiestrand. Eine Bucht mit mindestens 50 Meter ganz für uns allein. Das Wasser ist kalt, doch kaum bin ich darin, durchströmt mich ein unbändiges Glücksgefühl. Klares Glückswasser! Mir fehlen nur noch Taucherbrille und Schnorchel zur Erkundung des kleines Felsenriffs. Gegenüber den drei Kilo des Kormorans bin ich sicher schwer verdauliche Kost.

Dann kehre ich aus dem Wasser zurück wie weiland Godzilla in einem asiatischen Trashmovie. Sogar der Sound stimmt. Angesichts der nackten weißen Frau mutiere ich allerdings schnell zu King Kong. Dösen, planen, eine kleine angeschwemmte Qualle betrachten. Kurz nach elf Uhr ist es so heiß, dass die Weiterfahrt angeraten ist. Zwei Männer und vier Frauen bevölkern mittlerweile zusätzlich den Strand – ein attraktiver Schnitt.

Der Stopp in Nonza ist ein Muss. Zuerst besuchen wir die Kirche Sainte-Julie aus dem 16. Jahrhundert, die im Innern mit vielen Details liebevoll geschmückt ist. Ich versinke eine Weile in der Kuppel über dem Altar. Die Geschichte der heiligen Julie ist solch katholischer Hardcore-Splatter, dass ich ihn lieber nicht wiedergeben möchte. Nur so viel: Anhänger des extremen Intimpiercings könnten sie durchaus zu ihrer Schutzheiligen gewählt haben, was zudem die pilgernden Biker vor der Kirche erklären würde.

Blick vom Turm in NonzaDann geht es hoch auf den Wachturm, wo sich im Jahr 1768 eine heroische Tat voller Chuzpe abgespielt hat, als der alte Kapitän Casella die angreifenden Franzosen, die bereits alle anderen Türme eingenommen hatten, samt General Grandmaison täuschte. Seine Milizen waren geflüchtet, doch er spielte einen vollbesetzten Wachturm vor und handelte entsprechende Kapitulationsbedingungen aus. Als seine List erkannt wurde, erhielt er eine Ehrenwache und ein Begleitschreiben voller Bewunderung ins Hauptquartier von Paoli (vgl. Almut und Frank Rother, Korsika, DuMont Buchverlag Köln, 1988, S. 214ff).

Der Ausblick aufs Meer ist verführerisch. Wir gönnen uns im kleinen Café in der Mitte des Ortes ein Eis und einen Grand Creme. Eine Busladung Touristen, eine Gruppe Harley Fahrer und viele andere Schaulustige sind unterwegs. Was mag hier erst im Sommer los sein? Eine Harley hat übrigens Offenbacher Kennzeichen. Als ich den Beiden, die damit unterwegs sind, auf dem Turm begegne, kann ich mir einen gemeinen „Nie wieder zweite Liga“-Schlachtruf gerade noch verkneifen und beschränke mich auf ein „Ei guude“. Alles hat seine Grenzen… (außerdem erfahre ich dann zuhause, dass Offenbäch den Klassenerhalt am letzten Spieltag mit viel Hilfe der Aufsteiger Rostock und Duisburg geschafft hat).

Menhir von PatrimonioZum Abschluss unserer Route durch Cap Corse besuchen wir noch einmal Patrimonio. Ziel ist eine Menhirstatue, die als einzige bislang gefundene aus Kalkstein besteht und auf 2-4 Jahrtausende vor Christi datiert wird. Entgegen den Anweisungen unserer DuMont-Ausgabe biegt der Weg dorthin direkt der Post in Patrimoniu ein. In der Nähe des Menhirs, gerade einmal 20 Meter weiter, finden wir eine Quelle mit besonders wohlschmeckendem Wasser, an der wir unsere Vorräte ergänzen, nachdem wir die Kirche noch ein wenig näher betrachtet haben.

Jetzt wollen wir endlich den Wein einkaufen, für den diese Gegend bekannt ist. Ein Einheimischer empfiehlt uns in schnellem Französisch einige Domains. In einer im Ort, etwas die Straße hoch, soll es eine interessante Mischung aus Rotwein und Rosé geben. Doch die anvisierte Cave hat nichts derartiges. Also zum Ortsausgang und zwei Flaschen Roten bei J.N.Grossi für je fünf Euro erstanden. Ein angenehm leichter und trockener Rotwein. Dann zum Baedeker-Tipp, der Orenga de Gaffory gegenüber. Eine wunderschöne junge Korsin kredenzt uns drei Schlückchen unterschiedlicher Weine zwischen 5,90 und 12,90 Euro pro Flasche. Von zweien Sorten wandert je ein Fläschchen in den Bus. Das genügt. Jetzt noch die restlichen Einkäufe in Fiurenzu.

Ich bin gerade allein unterwegs und verlasse den Spar direkt hinter zwei jungen Französinnen. Draußen sprechen sie mich an. Erst verstehe ich nicht. Dann wird klar: Sie wollen mir ein Eis schenken. Nach all den Begegnungen mit schönen, aber zickig wirkenden Korsinnen, strahle ich nun breit. Ja, sie hätten einen Sechser-Pack Eis kaufen müssen, kleiner gab es ihre Sorte nicht. Da helfe ich doch gern.

In der Kathedrale geben „Meridianu“ abends um 21.30 Uhr mehrstimmige Gesänge. Diese korsische Kunstform würde ich liebend gern live genießen, doch die Chefin besteht auf Weiterfahrt. Die nächste Etappe startet. Allerdings hört meine Begleiterin mit ihren scharfen Ohren unterwegs ein Klickern beim Fahren. Ich untersuche die Reifen und finde hinten rechts einen Nagel komplett versenkt. Schnell zurück nach St. Florent zu einer Tanke.

Der Nagel reicht tief, es dauert, bis wir ihn dank des Einsatzes meines Schweizer Taschenmessers und einer geliehenen Wasserpumpenzange richtig zu greifen kriegen. Dann ist er draußen. Spucke drauf, keine Luft entweicht. Glück gehabt.

Wir kochen am Strand von Fiurenzu. Spaghetti mit Gemüse, Käse und Macchia-Kräutern. Testen den Wein von Grossi aus Patrimonio. Schmeckt bislang am besten: trocken, leicht, aber gleichzeitig erdig. Ist es der Rosmarin im Essen oder entdecke ich einen Hauch von Macchia im Abgang des Weines?

Verbrannt und verrostetDann kehren wir Fiurenzu endgültig den Rücken und fahren entlang der Desert des Agriates. Von wegen Wüste – Steine und Macchia bieten wundervolle Ausblicke. Aus dem Radio dröhnt kurz „Evil Born“ – klingt nach 80er Jahre, Judas Priest oder Iron Maiden – Headbanger Musik auf Korsika. Schnell wieder aus.

Die Schotterpisten zu den Traumstränden lassen wir rechts liegen. Über gut ausgebaute Straßen – D81 und N197 – nähern wir uns L’Ile de Rousse. Die Sonne geht unter, wir brauchen einen Stellplatz für die Nacht. Kurz bevor die N 197 in die Berge geht, führt rechts ein Weg zur Küste bei Lozari, westlich des Villages de Vacances. Bestimmt ein Dutzend Caravans steht dort bereits auf mehreren Parkplätzen. Wir nehmen den kleinsten Platz ganz vorne am Meer. Nur ein junges Franzosenpaar parkt dort mit dem Wohnmobil. Perfekt.

Den Motor aus und lautes Brummen empfängt uns. Was ist das? Der Franzose hat zum Strand hin einen Dieselgenerator aufgebaut. Ich frage ihn, wie lange der läuft. Noch etwa zwei Stunden. Do you wanna sleep now? Ich suche nach einem Wort, bis mir klar wird, dass er auf englisch geantwortet hat. Ein Franzose, der nicht nur die eigene Sprache spricht? Ich kann es kaum glauben. Dann rennt er hektisch davon, mit Wasserkanistern beladen.

Spielende Kinder in San FlorentWir stellen uns doch lieber auf den größten Platz, dort ist es ruhig. Kurz zumindest. Dann rauscht es laut. Es ist der junge Franzose, der bei einem Bau seine Kanister füllt. Er rennt die 500 Meter zu seinem Bus und kommt wieder und wieder und wieder. Was will er mit all der Energie und all dem Wasser? Haben die etwa eine Badewanne an Board? Es ist die einzige Erklärung, die mir einfällt.

Ich halluziniere: Vielleicht hat seine Freundin geschworen, nur den Mann zu heiraten, der ihr jeden Tag ein heißes Bad garantiert. So hat er sich krumgerackert für den Camper samt Bad, muss sich jeden Urlaub den Stress geben, Massen von Wasser zu holen und von anderen Campern wegen des Lärms gemieden zu werden. Ein trauriges Schicksal. Kein Wunder, dass er englisch gelernt hat, um sich überall durchschlagen zu können. Bevor mir die Tränen kommen, mache ich lieber unser Lager und dämmere in andere Welten.

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Autor: Frank

Webdesigner und Publizist. Freier Mitarbeiter bei Magazinen im Bereich Gesundheit/Spiritutalität (Reiki-Magazin, Connection, DAO) und Musik sowie Autor/Herausgeber von Fach-Anthologien beim Windpferd Verlag. Fachjournalist (bdfj). Mag am liebsten aktiven Natururlaub in Europa sowie Reisen nach Südostasien. Ganz besonders wichtig: Wasser!

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