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Massage auf Goa

Goa: Neujahr mit ayurvedischer Massage

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Neujahr in Goa. Gegen elf komme ich langsam zu mir, angesichts meiner zerstörten Mimik bricht Manu in lautes Lachen aus. Oh mein Gott, da lebt ein Monster im Spiegel. Gegen dieser derangierten Beginn muss etwas getan werden: Ayurvedische Massagen für alle!

Die Jungs sind als erste dran, während ich wieder mal im Internetcafé mein Glück versuche. Doch die Leitung nach Europa macht schnell wieder schlapp, das dritte Mal hintereinander. Emails kommen rein, Spiegel Online läd langsam, aber immerhin. Auch Seiten auf meinem eigenen Speedbone-Server kommen halbwegs rein. Aber alle Blogs auf den Servern von all-inkl tröpfeln so langsam, dass ich wieder nichts online stellen kann. Frustig, und ich frage mal beim Support an.

Auf dem Weg zur Massage erhandle ich noch eine Tasche und dann geht es auf die Liege. Manu wird von einer Frau, ich von einem Mann massiert. Ich muss mich ganz nackig machen, was mich anfangs irritiert, da es zumindest in der Öffentlichkeit verglichen mit dem Westen eher züchtig zugeht. Aber in solch geschützten Räumen scheint es okay zu sein, würde mich auch wundern, wenn die indische Kultur grundlegende Probleme mit nackten Körpern hat.

Die „General Body Massage“ (45 min., 400 Rupien) wirkt kompetent auf mich. Es geht nicht wie bei der klassischen westlichen Massage auf Schmerzpunkte, sondern scheint – wie im Prospekt angegeben – anregend und entschlackend auf die Körpersäfte zu wirken. Manu dagegen unterzieht sich einer „Ayurvedic Abhyanga“ (90 min., 650 Rupien), wo zusätzlich Kopf und Nacken massiert wird und sie anschließend – mit Ausnahme ihres Kopfes – in einer Krätersauna sitzt.

Massage auf Goa

Im Appartement schaue ich kurz mit den Jungs TV. Sie sind begeistert vom Fernsehen hier: Ständig gibt es Filme, die bei uns grade erst im Kino waren. Alles auf englisch inkl. englische Untertitel – pädagogisch wertvolles Sprachtraining im Urlaub. Gerade läuft der zweite Teil von Piraten der Karibik. Als Manu kommt geht es wieder runter zum Strand – ich bin platt und mache erst einmal eine Runde Reiki. Danach gibt es wieder eine Stunde Volleyball, der größte der Russen ist nicht da, so dass wieder locker drei gegen drei spielen können.

Abends gehen wir wieder zu Baptis in der Titus Road. Leider geht ihnen mitten im Kochen das Hühnchen aus, so dass ich mein Gaelic Chicken (scharf mit massig Knoblauch) erst bekomme, als die anderen fertig sind. Zurück am Shack lerne ich ein Pärchen kennen, das in der Schweiz lebt. Nadine und Marcello erzählen uns von der Blue Lagoon im Süden, ein wenig oberhalb von Palolem Beach. Uns wird klar, dass Baga Beach im Grunde der Ballermann von Goa ist – aufgrund der starken Besuchereinbrüche haben wir es bloß nicht so richtig gemerkt. Und dass der Süden wohl eher das ist, nach was Manuela und ich uns sehnen. Natürlich nicht die Betonbunker, die an einigen Stellen dort stehen sollen, sondern einsame Strände wie Cola Beach einer sein soll.

Die Beiden zeigen uns noch Fotos und erzählen so begeistert, dass wir beschließen: Vom sechsten Januar bis zehnten Januar wollen wir dort runter, danach wollen wir zu Beaulas Geburtstag wieder da sein. Ein Bruder von Papai kann uns fahren, 1800 Rupien die Strecke. Eine Holzhütte am Strand kostet 800 Rupien pro Nacht, was ich am nächsten Tag im Internetcafé abkläre.

Während Frau und Boys zeitig ins Bett gehen, mache ich mit Marcello, Nadine, Anthony und Papai einen drauf. Anthony erzählt mir einen Teil seiner Lebensgeschichte: Aufgewachsen in einem kleinen Dorf mit vier Geschwistern, Mutter gestorben, ein Jahr später der Vater, einige Zeit in Poona als Helfer von Ingenieuren in der Firma eines Deutschen gearbeitet, aufgestiegen zum Vorarbeiter und danach eine Fortbildung beantragt. Damals hat er 4000 Rupien pro Monat verdient, hier am Shack hat er 1000 Rupien, dazu freie Kost und Logis am Strand. Sehr mager, vor allem in Anbetracht dessen, dass die Terrorgefahr die Besucherzahl auf etwa ein Fünftel reduziert hat. Und mir wird klar, dass ich Baga Beach mit voller Menschenmenge und nächtlichen Strandpartys keine drei Tage ausgehalten hätte.

Auch Papai erzählt noch ein paar Dinge, zuweilen fühlen wir uns wie bei den Montagsmalern, wenn wir erraten müssen, was ein Spezialbegriff wirklich bedeutet. Großes Gelächter. Papai hat von seinem Vater vier Makrelen bekommen, als dieser vom Meer zurückkam und bereitet diese in den Morgenstunden vor: ein wenig Stroh auf dem Sand, die Makrelen auf Bananenblätter gebettet, Stroh darüber und angezündet. Als das Stroh durch ist, wendet er die Fische, streut wieder Stroh drüber, wieder anzünden und nach spätestens fünf Minuten sind die Makrelen fertig. Ich bin zu vollgefuttert, aber die Schweizer lassen sich die Fische munden und Marcello meint, es sei der beste Fisch, den er je gegessen hätte. Nun, ich bin weiterhin absoluter Fan, der Forellen Trister Art direkt von der Soca.

Nachdem alle von unserer Truppe schon richtig kräftig gefeiert haben, gehe ich diesmal als letzter ins Bett, irgendwann gegen Morgen hin. Und weiß, dass ich bald schon geweckt werde für die nächste Aktion. Doch das ist nichts gegen das Gefühl, endlich in Goa angekommen zu sein. Heute hat der zweite Teil unserer Reise begonnen, dieser Tag war wie eine Initiation.

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Autor: Frank

Webdesigner und Publizist. Freier Mitarbeiter bei Magazinen im Bereich Gesundheit/Spiritutalität (Reiki-Magazin, Connection, DAO) und Musik sowie Autor/Herausgeber von Fach-Anthologien beim Windpferd Verlag. Fachjournalist (bdfj). Mag am liebsten aktiven Natururlaub in Europa sowie Reisen nach Südostasien. Ganz besonders wichtig: Wasser!

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